Haushaltsrede 2011 des FDP-Fraktionsvorsitzenden Peter Vogt
Lesen Sie hier die Haushaltsrede im Rahmen des Erlasses der Haushaltssatzung 2011:
Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
„Geld regiert die Welt“, oder „Geld verdirbt den Charakter, oder „Beim Geld hört die Freundschaft auf“, oder flapsig ausgedrückt, „Ohne Moos nix los„
Alle volksmundigen Aussprüche rund um die Finanzen. Auf unsere städt. Finanzen passt meines Erachtens die letzte Weisheit: „Ohne Moos nix los“. Aber so einfach dürfen wir es uns auch nicht machen. Wir hier alle, gleich aus welchem politischen Blickwinkel sind angetreten, um für Probleme Lösungen zu finden.
Dieser Haushalt schließt mit einem Defizit von ca. 3,2 Millionen € ab. Er ist folglich formal nicht ausgeglichen. Allerdings haben wir in den letzten Jahren schon viel Erfahrung mit nicht ausgeglichenen Haushalten gesammelt und die Probleme gemeistert. WIR haben keine Sportanlagen geschlossen, WIR haben keine Steuern erhöht und WIR haben sogar Kredite getilgt. Unser Geheimnis hieß schlicht Sparen, Sparen, Sparen mit selbst auferlegter Haushaltsdisziplin.
Wenn nun der Kämmerer auf Strukturfehler des „Neuen Kommunalen Finanzmanagement„, sprich NKF hinweist und dessen Auswirkungen beklagt, mag das richtig sein, hilft uns jedoch nicht weiter. Wir müssen mit diesem neuen System leben, es aber auch richtig anwenden.
Meine Damen und Herren dieses ist der 3. Haushalt, den der Kämmerer uns nach den Regeln des NKF vorgelegt hat. Wir beraten, diskutieren und beschließen nicht nur Haushaltszahlen mit denen der Kämmerer und die Verwaltung arbeiten, sondern wir beschließen einen Haushalt der für den Rat das zentrale Steuerungs- und Controlling-Instrument des nächsten Jahres ist. Das NKF soll nicht einfach nur eine andere Art der Buchhaltung sein.
Die vom Innenministerium aufgelegte „NKF-Handreichungen für Kommunen erläutert dazu ausdrücklich auf Seite 449.
„Die Steuerung der Gemeinde bzw. der gemeindlichen Verwaltung darf sich dabei nicht nur auf die Ziele auf der untersten Ebene der Gliederung des Haushaltsplans erstrecken. Vielmehr müssen alle gemeindlichen Ziele in eine Zielhierarchie eingebunden sein, die ausgehend vom Rat und dem Leitbild der Gemeinde (strategische Ziele), bis in die unterste Verantwortungsebene der Verwaltung (operative Ziele) hineinreicht. Nur so kann ein in sich stimmiges Zielsystem entstehen, Ziele), bis in die unterste Verantwortungsebene der Verwaltung (operative Ziele) hineinreicht. Nur so kann ein in sich stimmiges Zielsystem entstehen, das einer kompetenten und ressourcenverbrauchsorientierten Verwaltungsteuerung mit dezentraler Ressourcenverantwortung gerecht werden kann.“
Meine Damen und Herren lassen Sie mich nun noch zu einem zweiten wichtigen Steuerungsinstrument des NKF kommen: der Gebrauch von Kennzahlen. Lassen Sie mich noch einmal kurz aus der NKF-Handreichung Zitieren:
„Kennzahlen setzen sich in der Regel aus zwei oder mehr Grundzahlen zusammen und enthalten quantitative und aussagekräftige Informationen“.
Kennzahlen in diesem Sinn finden wir auch im Haushaltsplan 2011 viel zu wenig.
Die ungedeckten Kosten je Besucher unsere Bäder sind ein guter Ansatz. Aber im Haushaltsplan finden wir sie nicht. Nur reine Schülerzahlen halten wir als Kennzahl für Verwaltungshandeln für ungeeignet. Ziele und Kennzahlen müssen auch so formuliert sein, dass sie über einen gewissen Zeitraum eine Entwicklung ersichtlich machen! Das man gerade zu Beginn des NKFs noch Ziele und Kennzahlen neu formulieren und ändern muss ist uns völlig klar. Nur im 3. Jahr NKF hatten wir mehr erwartet!
Meine Damen und Herren Ziele und Kennzahlen sollten wir Politiker nicht einseitig zur Haushaltsberatung von der Verwaltung erwarten. Politik und Verwaltung müssen zum Wohle unsere Stadt zusammenarbeiten. Diese Arbeit gehört in die Fachausschüsse und nach den Erfahrungen dieses Jahres spätestens nach der Osterpause.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich ein Problem der Haushaltsausführung ansprechen, nämlich konstruktive Bürgerbeteiligung. Land auf Land ab erleben wir täglich Bürgerinitiativen gegen vieles, ob Stuttgart 21, ob Neubau der Erwitter Umgehung in Stirpe, der Bürger traut den Politikern nicht mehr. Ist unsere Bürgerbeteiligung noch zeitgemäß? Reicht es, ein Vorhaben durch Aushang im Bekanntmachungskasten, im Internet oder durch öffentliche Auslage in der Stadtverwaltung zu publizieren? Unsere Stadtverwaltung hier gibt sich viel Mühe, z.B. beim Straßenausbau in Bürgerversammlungen das Vorhaben zu erläutern. Aber auch bei anderen Vorhaben, wie das Aufstellen von Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen sollte das Instrument der Bürgerversammlung noch mehr genutzt werden, ich denke hier auch an die Initiative „Wohnen und Leben mit Schonlau“. Informieren wir nicht nur die Bürger sondern Reden wir mit Ihnen! Viele Missverständnisse könnten im Vorfeld geklärt werden. Außerdem haben Bürger oft auch gute Ideen.
Eines sage ich aber auch in aller Deutlichkeit, wenn nach ausreichender Bürgerbeteiligung dann Beschlüsse demokratisch gefasst werden, müssen die stehen und dürfen nicht mehr wackeln. Als schlechte Beispiele nenne ich hier die Verlegung des Agrarhandels in Langeneicke oder das Hochwasserschutzkonzept in Mönninghausen. Noch ein Beispiel zur Bürgerbeteiligung. Eine durch die FDP durchgeführte Umfrage bei den Gewerbetreibenden der Innenstadt ergab zu dem Thema Fußgängerzone und Marktplatz sehr unterschiedliche Reaktionen. Die Ergebnisse sollten in die politische Arbeit einfließen. Unsere Unterlagen stellen wir gerne zur Verfügung.
Die Haushaltsberatungen im Ausschuss fanden in einer guten Atmosphäre mit gegenseitiger Kompromissbereitschaft statt.
Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Ganz bewusst bin ich heute nicht auf einzelne Haushaltsstellen eingegangen. (Herr Kersting hat das ja schon ausführlich genug gemacht.)
Darum lasst uns nicht zurückblicken, sondern zukunftsorientiert diesen Haushalt 2011 anpacken. Die FDP stimmt aus Verantwortung dem Haushalt 2011 zu. Trotz der kritischen Anmerkung an die Kämmerei, sei Ihnen für die stete Hilfsbereitschaft beim Durchforsten des Haushaltes gedankt.
Vielen Dank.





